Geschichte


Das stattliche Fabrikantenhaus gebaut 1770 – 1771 an der Strassenabzweigung nach Schönengrund – Bächli – Hemberg mit Ausrichtung zur Handelsstrasse Toggenburg – St. Gallen. Ein Objekt welches zum Ortsbildinventar des Kantons St. Gallen und der Gemeinde Neckertal gehört.

Mit dem ersten Strassenbau von Lichtensteig über St. Peterzell – Wald-Schönengrund – Waldstatt – Herisau nach St. Gallen unter Abt Gede in den Jahren 1770-1771 ist auch dieses viergeschossige Fabrikantenhaus erbaut worden. Merkmale des Hauses: Hohes gemauertes Erdgeschoss mit zentralem, ertötem Korbbogenportal und je zwei seitlichen Stichbogenfenster. Die symetrisch aufgebaute Hauptfassade mit 5 gleichmässig verteliten Fensterachsen, einer gestrichenen Täferung, Klappläden und geschweiftem Quergibel über der Hauptachse. Gegen Westen ein langes Wirtschaftsgebäude mit schönem halbrunden Oberlicht wohl über der Einfahrt zu den ehemaligen Stallungen des Handelshauses. Seiten- und Rückfassade sind geschindelt, in der Rückseitenfassade ist ebenfalls ein Schweifgibel entsprechend der Vorderseite vorhanden.
Details an der „Empfangsfront (Südseite)“: Reiches Schmeidewerk in Oberlicht des Korbbogenportals, darüber ausdrucksvolle Fratze und Familienwappen Meyer in Sandstein, links davon Inschrift „Josef Meyer, 1771“, rechts „Elisabeth Preisig (ad. Praisich) 1771“. Die eisernen Schlagläden schliessen so, dass auch bei verschlossenen Läden, die Gesichtsmasken und Zierwerke der äusseren Fenster sichtbar bleiben.

Zu jener Zeit schrieb Regierungsrat Hungenbühler in „Industriegeschichtliches zur Landschaft Toggenburg“ 1851 Seite 73-74; „Die Webermeister, die Fabrikanten, die Kaufherren in Garn und Tüchern waren in den privilegierten Städten, in St. Gallen, eine Zeit lang in Wil und seit dem 16 Jahrhundert in Trogen, Herisau und den grösseren Ortschaften des benachbarten, politisch frei und kirchlich reformiert gewordenen Appenzells. Von da kamen diese „Meister und Herren“ allwöchentilch regelmässig auf den Montagsmarkt nach Lichtensteig, kauften Garn, Leinwand- und Hanftücher. Wenn die Weber von St. Gallen und dem Appenzellerland nicht mehr im Stande waren, die erforderlichen Waren für die Messen in Zurzach, Strassburg, Frankfurt, Lion usw. zu liefern, so wurden auch die besseren Toggenburger Weber mit einigen Bestellungen beglückt.“

Josef Meyer war einer der ersten, wenn nicht der erste überhaupt, der mit seinem Handelshaus an der Nahtstelle zwischen dem Appenzellerland und dem Toggenburg dieses auswärtige Monopol brach und den Baumwollhandel in die eigenen Hände nahm. Über Josef Meyer schreibt Hungenbühler auf Seite 63; „J. M. von St. Peterzell, gehört zu den wichtigsten und besten Toggenburger, die ihrem Land in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts zum Rufe eines kunstfleissigen, gewerbsamen verholfen haben. Mit nichts als mit seiner Arbeit und seiner Sparsamkeit beginnend, im Jahre 1740 mit dem Handel von „Mousselin“ wusste er seinen Einsatz bis 1750 auf 5’000 und bis 1756 schon auf 12’000 Gulden zu vermehren. Nach 1760 nutze er die günstigen Handelsjahre zum Erwerb eines grossen Vermögens. So wurde er mit seiner Tätigkeit und seinem Glück ein gern gesehener Meister, ein gerne nachgeamtes Muster für viele andere, die es ohne sein Beispiel zu nichts gebracht hätten.

Dieses Haus und sein Erbauer leiten also für das Toggenburg eine neue, eigenständige Epoche ein, womit dem Gebäude mindestens eine regionale Bedeutung zukommt. Zu Josef Meyer – so Hungenbühler starb 1798 in Peterzell mit Hinterlassung mehrerer Kinder für deren Erziehung und Kosten er gerne aufkam. Sein Name blieb bei allen die ihn näher kannten, vorab bei den Toggenburger Handels- und Gewerbsgenossen in langem, heute noch nicht vergessenen Andenken.